Freitag, 30. Oktober 2009

Klimaweg Sonnenalb bei Sonnenbühl



Der Klimaweg Sonnenalb bei Sonnenbühl führt unter anderem an den kältesten Stelle der Albhochfläche und ganz Baden-Württembergs vorbei. 

Den Funtensee in Bayern bei Berchtesgaden kennt inzwischen jedes Kind. Dort werden mit schöner Regelmäßigkeit die tiefsten Temperaturen Deutschlands gemessen. Erst vor wenigen Tagen wurden dort in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 2009 mit minus 24,3 Grad Celsius die tiefsten je in einem Oktober seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen registrierten Temperaturen gemessen.

Die Aufmerksamkeit, die die tiefen Temperaturen am Funtensee genießen, gefällt den Bewohnern des Berchtesgadener Lands freilich überhaupt nicht. Denn es handelt sich hier um ein lokal sehr begrenztes Phänomen, bedingt durch die Lage des Funtensees in einer extremen Kaltluftsenke. Das Berchtesgadener Land insgesamt ist keineswegs besonders kalt.

Das gleiche Problem hat die Gemeinde Sonnenbühl auf der mittleren Schwäbischen Alb im Landkreis Reutlingen. Im Großen Rinnental südöstlich des Teilorts Undingen werden seit vielen Jahren regelmäßig die tiefsten Temperaturen von Baden-Württemberg und teilweise auch ganz Deutschlands gemessen. Das ist bedingt durch die lokale topographische Situation. Das Rinnental und einige Nachbartäler bilden sogenannte Kaltluftseen, in die nachts bei wolkenlosem Himmel die schwere kalte Luft absinkt und dort kaum mehr abfließen kann.

Als sogar der bekannte Fernseh-Meteorologe Jörg Kachelmann im Großen Rinnental eine Wetterstation einweihte (immer den Sensationen auf der Spur), musste die Gemeinde Sonnenbühl die Flucht nach vorn antreten. Denn man wollte nicht als der Kältepol Deutschlands in die Schlagzeilen geraten mit unabsehbaren negativen Folgen für den Tourismus.

Also hat man am 19. Mai 2006 einen Lehrpfad eingeweiht, den Klimaweg Sonnenalb. Dieser Lehrpfad informiert über die verschiedenen Wetterphänome und einige Naturerscheinungen. Hierbei legt man Wert darauf, dass die Gegend um Sonnenbühl zu den sonnigsten und vor allem nebelfreien Gebieten von Baden-Württemberg gehört. Die kalte Luft ist also kein Phänomen, das die gesamte Gegend betrifft.

Sonnenbühl besteht aus mehreren Teilorten und liegt auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb südlich von Reutlingen. Um zum Ausgangspunkt des Lehrpfads zu kommen, fährt man zum Teilort Undingen. Im Ort folgt man der Straße zum Teilort Erpfingen. Am Ortsende von Undingen biegt man links ab in Richtung Golfplatz, fährt zunächst durch ein kleines (und leider sehr unschönes) Gewerbegebiet. Bald sieht man rechts den markanten Kalkstein. Wenig später sind links der Straße die Parkplätze für den Ausgangspunkt des Lehrpfads.

Der Lehrpfad ist als Rundweg angelegt und ca. 9 Kilometer lang. Im Verlauf des Lehrpfads befinden sich 12 Tafeln. Man kann auch einen sehr lohnenden Abstecher auf den Gipfel des Kalksteins machen. Der Rundweg ist asphaltiert oder gekiest. Zur Zeit finden am Fuß des Kalksteins Bauarbeiten für ein Sickerbecken bei der dortigen Kläranlage statt. Dies führt zumindest auf diesem Teilabschnitt zu schmutzigen Schuhen.

Eine Frage konnte der Lehrpfad nicht beantworten: Gibt es auf der Schwäbischen Alb Stellen, an denen wegen zu kalter Temperaturen (Extrem- oder Durchschnittstemperaturen) von Natur aus kein Baumwuchs stattfinden würde? Das kann man vor Ort ja nicht so genau erkennen, denn es ist schwierig auseinanderzuhalten, ob eine Stelle wegen menschlicher, landwirtschaftlicher Aktivitäten oder wegen natürlicher Randbedingungen waldfrei ist. 

Der Verlauf des Klimawegs Sonnenalb ist auf der Tafel am Beginn des Wegs deutlich eingetragen.
 

Die Beschilderung des Klimawegs Sonnenalb ist einwandfrei, an jeder Wegverzweigung befindet sich ein Richtungsschild.

Insgesamt 12 Tafeln im Verlauf des Klimawegs Sonnenalb geben Auskunft zu verschiedenen Klima- und Naturthemen.

Der Klimaweg Sonnenalb verläuft um den Kalkstein herum. Dies ist ein von einem früheren Flusslauf herauspräparierter Schwammstotzen des ehemaligen Jurameers.

Vom Gipfel des Kalksteins blickt man auf das Große Rinnental, den zeitweise kältesten Ort Baden-Württembergs und sogar Deutschlands.

Im Großen Rinnental stehen gleich zwei Wetterstationen. Die Station im Hintergrund gehört dem Lokalmatador (zumindest was die Erforschung des Klimas betrifft) Roland Hummel. Die Station im Vordergrund wurde im Jahr 1996 vom bekannten Fernseh-Wetterfrosch Jörg Kachelmann errichtet (ARD), nachdem sich die extremen Temperaturen des Großen Rinnentals herumgesprochen haben.

Vor allem bei der Station von Roland Hummel findet der Besucher ausführliche Informationen zum Wetter vor.

Einige Kilometer vom Großen Rinnental entfernt gelangt man im Verlauf des Klimawegs Sonnenalb in die große, abflusslose Einsenkung Weidenwang. Auch hier befindet sich eine Wetterstation von Roland Hummel und auch hier gibt es Temperaturextreme.

Im Zentrum der Einsenkung Weidenwang befinden sich einige Dolinen. Hier sind Hohlräume im Boden entstanden als Folge der Auslaugung des kalkhaltigen Bodens.

Zauberhafter Herbst auf der Schwäbischen Alb im Gebiet des Klimawegs Sonnenalb


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