Montag, 8. Februar 2010

Vergrößerter Bannwald Untereck im Zollernalbkreis ausgewiesen

Ende Januar 2010 hat der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Tübingen den vergrößerten Bannwald Untereck auf der Zollernalb formell ausgewiesen.

Der Bannwald Untereck hat nun eine Fläche von 86 Hektar. Er befindet sich auf der Südwestalb im Zollernalbkreis im Gebiet der Stadt Albstadt westlich von Albstadt-Laufen. Die nun erfolgte Vergrößerung des Bannwalds Untereck ist gleichzeitig dessen erstmalige gesetzliche Unterschutzstellung. Denn die bisher erfolgten Ausweisungen im Jahr 1924 sowie im Jahr 1970 waren lediglich Erklärungen der Forstbehörde, die nur für die Verwaltung selbstverpflichtend waren. Nun erfolgte die Ausweisung des Bannwalds im Rahmen des Landeswaldgesetzes von Baden-Württemberg. Damit hat der Bannwald ab jetzt denselben Rechtsstatus wie ein Naturschutzgebiet.

Die Größe des Bannwalds von 86 Hektar ist mehr als gemäß der Vorankündigung zu erwarten war. Jedoch wird die von der Forstverwaltung genannte Mindestgröße von 100 Hektar für die Ausweisung neuer Bannwälder nicht erreicht. Dies zeigt, wie schwer es in Baden-Württemberg ist, auch nur kleine Wildnisflächen auszuweisen.

Dabei steht die eigentliche Herausforderung in Bezug auf die Wildnis noch bevor. Bisher ist der Bannwald Untereck das einzige Wildnisgebiet der gesamten Südwestalb. Gemäß der von der Bundesregierung am 7. November 2007 verabschiedeten "Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt" soll sich bis zum Jahr 2020 die Natur in Deutschland auf zwei Prozent der Landesfläche "wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln" dürfen (=Wildnis).

Bisher ist noch nicht einmal ansatzweise klar, wie diese zwei Prozent Wildnisanteil auf der Südwestalb geschaffen werden sollen. Die Südwestalb hat eine Flächengröße von etwas mehr als 1.000 km², das sind 100.000 Hektar. Zwei Prozent davon sind 2.000 Hektar. Somit gibt es auf der Südwestalb mit den vorhandenen 86 Hektar zur Zeit gerade einmal 4,3 Hundertstel der mittelfristig erforderlichen Wildnisfläche. Oder anders ausgedrückt: die Wildnisfläche muss um ca. das 24fache gegenüber dem Bestand vergrößert werden.

Es wäre interessant zu erfahren, ob es erste Vorplanungen seitens des Regierungspräsidiums Tübingen für die Ausweisung weiterer Wildnisflächen bereits gibt. 2.000 Hektar Wildnis auf der Südwestalb mögen auf den ersten Blick viel erscheinen. Jedoch bedeutet dies nichts anderes, als dass auf 98 Prozent der Fläche der Mensch weiterhin der Natur und Landschaft seinen Stempel aufdrücken darf. Ich bin der festen Überzeugung, dass 2 Prozent Wildnisfläche mittel- bis langfristig unabdingbar sind. Das Ökosystem, die Biodiversität, die Arten- und Genvielfalt würden ohne ausreichende Wildnisflächen mittel- bis langfristig kollabieren mit verheerenden Folgen auch für den Menschen. Also: Mut zur Wildnis, 98 Prozentanteile der vom Menschen beeinflussten Landschaften müssen genug sein!

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