Sonntag, 21. März 2010

Bannwald "Buigen" bei Herbrechtingen

Irgendetwas stimmt nicht im Bannwald Buigen bei Herbrechtingen. Da wandert man voller Erwartung in dieses Naturwaldreservat und muss dann Bilder sehen wie die beiden folgenden:
Neben dem Hauptforstweg, der durch den Bannwald hindurchführt, hat jemand zwei augenscheinlich völlig gesunde Rotbuchen gefällt und das Holz in kleine Stücke zersägt. Es ist einfach unglaublich. Gerade einmal 0,5 Prozent der Waldfläche in Baden-Württemberg sind als Bannwald geschützt. Und nicht einmal diese winzig kleinen Flächen sind vor den Zerstörern sicher.

In Bannwäldern ist die Entnahme jeglichen Holzes verboten. Das gilt auch für den Bannwald Buigen, festgelegt in der Verordnung der Forstdirektion Tübingen vom 8. November 2004. Und selbst wenn im absoluten Ausnahmefall ein Baum einmal aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden müsste - was im vorliegenden Fall absolut nicht zutrifft - ist das Holz neben dem Verkehrsweg liegenzulassen und keinesfalls in Stücke zu zersägen. 

Das Landratsamt Heidenheim und die Stadt Herbrechtingen sollten sich einmal Gedanken darüber machen, wie die Einhaltung der Regeln in Schutzgebieten besser durchgesetzt werden kann. Vielleicht könnte man zum Beispiel einer Schulklasse eine Schutzgebietspatenschaft übertragen, die unter anderem eine regelmäßige Kontrolle des Schutzgebiets vorsieht. Auf diese Weise würden die Kinder und Jugendlichen auch besser für das Thema des Flächennaturschutzes sensibilisiert.

Bei den beschriebenen Vorkommnissen fällt es schwer, zur Tagesordnung überzugehen, die da lautet, den Bannwald Buigen vorzustellen. Der Bannwald Buigen hat eine Größe von 73,4 Hektar. Er befindet sich auf dem Gebiet der Stadt Herbrechtingen im Landkreis Heidenheim. Der Bannwald wurde durch eine Erklärung der Forstdirektion Stuttgart im Jahr 1995 ausgewiesen. Im Jahr 2004 wurde diese Erklärung ersetzt durch eine Verordnung der Forstdirektion Tübingen gemäß Landeswaldgesetz.

Herbrechtingen liegt an der Bahnlinie Aalen - Ulm und wird mindestens im Stundentakt von Regionalexpresszügen angefahren. Vom Bahnhof aus folgt man der Bahnhofstraße in Richtung Südosten. Mit einer Fußgängerunterführung unterquert man die Mergelstetter Straße und folgt einem Fußweg durch eine Parkanlage mit Quellen. Man kommt zur Brunnenstraße und folgt ihr nach Süden. Später befindet sich auf der rechten Seite der Brunnenstraße erneut eine kleine Parkanlage mit einer Quelle. Darauf biegt man nach rechts in den Baumschulenweg ab und verlässt die Ortslage. Der Weg steigt an, führt an einer Wacholderheide vorbei und erreicht in einer rechts-links-Kurve den Bannwald. Die Entfernung vom Bahnhof Herbrechtingen bis zum Bannwald ist ca. 1,5 Kilometer.

Mit dem Auto erreicht man Herbrechtingen über die Bundesstraße B 19 von Heidenheim her bzw. über die B 492 von der Anschlussstelle Giengen / Herbrechtingen der Autobahn A7. Parkmöglichkeiten gibt es im Süden des Orts an der Brenz bei einem Sportgelände (Baumschulenweg). Von dort steigt man auf dem Baumschulenweg zum schon sichtbaren Wald auf der Höhe des Brenz-Umlaufbergs an.  


Der Bannwald befindet sich auf dem Plateau eines Umlaufberges der Brenz. Kommt man von Herbrechtingen aus Richtung Norden zum Bannwald, geht man zuerst durch eine Wacholderheide.

Von den Rändern des Umlaufbergs hat man an den meisten Stellen keinen Blick auf das Brenztal, denn auch die Hänge des Umlaufbergs sind bewaldet. Im Südosten des Bannwalds bei einer Holzhütte mit Aussichtsbank bietet sich jedoch ein wunderbarer Blick auf die Brenz und auf die weit über Baden-Württemberg hinaus bekannten Felsen des Brenztals, unter anderem die Steinernen Jungfrauen, die sich links im Bild direkt oberhalb der Brenz befinden. Den Aussichtspunkt erreicht man direkt von Herbrechtingen auf einem mit dem roten Dreiblock bezeichneten Wanderweg des Schwäbischen Albvereins, der stets am Plateaurand entlangführt. Oder man kann vom zentralen Forstweg im Bannwald Buigen zum Aussichtspunkt gelangen, indem man im südlichen Teil des Bannwalds auf einen Waldweg nach Osten abzweigt.
Im Bannwald ist das "Urwald-Feeling" noch nicht so richtig vorhanden. Dies hat seinen Grund darin, dass die Bäume im Bannwald im Durchschnitt noch relativ jung sind und die Alters- oder Zerfallsphase bei weitem noch nicht erreicht haben.

Neben der Rotbuche ist auch die Fichte im Gebiet vertreten. Auf dem Bild oben sieht man auf ein kleines Areal abgestorbener Fichten.
 
Diese Rotbuchen sind noch sehr jung. Es liegt hier kaum Totholz am Boden.


Ein Fichtenforst, was für ein Gegensatz zum vorherigen Bild! Spannend ist, wie sich diese eigentlich nicht standortgerechten Fichten in der Zukunft entwickeln werden.

Die Jagd ist in Bannwäldern weiterhin gestattet. Ohne Jagd würde es beim derzeitigen Fehlen von Raubtieren zu einem Überbesatz an Wild kommen. Zu viel Wild würde den Aufwuchs der Jungbäume gefährden.

Die ersten Bäume im Fichtenforst sind zu Boden gefallen. Sollte demnächst auch noch der Borkenkäfer in den Fichtenbeständen wüten, wird es hier schnell wildnisartige Bilder geben.

Im Wurzelteller eines umgefallenen Baums sind die Gesteinsbrocken des Weißjura erhalten geblieben.
An einem abgestorbenen Baumstamm wachsen Konsolenpilze. Die Zahl der Tier- und Pflanzenarten ist in Bannwäldern um ein Vielfaches höher als in Wirtschaftswäldern.


1 Kommentar:

  1. Denke für den Einblick!
    In einigen Jahren wären Bilder sehr schön, die die Entwicklung zeigen.
    Gruß, Ernst.

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