Mittwoch, 4. August 2010

Naturschutzgebiet Hochwiesen - Pfullinger Berg bei Pfullingen


Auf einer Berghalbinsel ca. 5 Kilometer südwestlich von Pfullingen befindet sich das Naturschutzgebiet Hochwiesen - Pfullinger Berg. Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 68,8 Hektar und wurde im Jahr 1992 verordnet.

Das Gebiet ist gleich in mehrerer Hinsicht bemerkenswert und lohnt einen Besuch. Da sind zunächst die Wiesen, die ja der Grund der Unterschutzstellung sind. Dann gibt es jedoch auch topographische und geologische Aspekte, die hochinteressant sind.

Fangen wir mal mit den topographischen Gegebenheiten an. Die Hochwiesen sind auf allen Seiten von Wald umschlossen. Am Rand der Hochwiesen fällt das Gelände entweder ab oder steigt weiter an. Somit bilden diese nahezu ebenen Hochwiesen eine Insel nicht nur inmitten des Walds, sondern auch im Gelände. Es ist ein eigenartiges Gefühl, sich in der Stille dieser Insel zu bewegen.


Interessant ist auch, dass sich die Hochwiesen nicht auf der eigentlichen Hochfläche der Schwäbischen Alb befinden, sondern auf einer Zwischenstufe unterhalb der Albhochfläche. Die Schwäbische Alb steigt im Bereich von Reutlingen bis nach Mössingen in zwei Stufen an. Die oberste Stufe wird hierbei von den Weißjura Delta - Gesteinen gebildet, die Zwischenstufe vom Weißjura Beta. Auf Luftbildern dieses Bereichs kann man sehen, wie die Weißjura Beta Stufe von Reutlingen aus in Richtung Südwesten immer weiter ansteigt. Bei Hechingen im Bereich des Dreifürstensteins bildet die Weißjura Beta Stufe bereits die Hochfläche der Schwäbischen Alb. Die Weißjura Delta Stufe ist dort abgetragen.

Dann gibt es die Wiesen auf dem Pfullinger Berg. Es handelt sich um Magerwiesen ohne Düngung, die nur einmal im Jahr gemäht werden. Dadurch konnten sich auf diesen Wiesen Pflanzen- und Tierarten erhalten, die auf intensiver bewirtschafteten Wiesen schon längst ausgestorben sind.

Wie kommt man hin?

Man erreicht das Naturschutzgebiet Hochwiesen - Pfullinger Berg über die Landesstraße L 382 Pfullingen - Sonnenbühl. Bei der einzigen echten Kehre dieser Straße zweigt ein schmales asphaltiertes Sträßchen ab, das durch den Wald nach Südwesten bis zum Parkplatz am Beginn des Naturschutzgebiets führt. Von Pfullingen erreicht man das Gebiet zu Fuß mit dem Wanderzeichen blaue Raute des Schwäbische Albvereins. Man geht im Verlauf der Gönninger Straße und zweigt später nach links auf den Ernst-Trumpp-Weg ab. Von dort leitet das Wanderzeichen weiter hinauf.

Im Gebiet kann man einen Rundweg machen entsprechend den auf den Tafeln vor Ort vorhandenen schematischen Karten. Leider ist bei der zweiten Tafel, die sich mitten im Gebiet befindet,  der mit dem roten Punkt markierte Standort an der falschen Stelle dargestellt. Dadurch kann man auf einen falschen Weg gelockt werden, der hier nach rechts abbiegt. Dieser Weg führt jedoch nur zu einer Scheune und endet dort. Der für den Rundweg benötigte Weg zweigt erst einige hundert Meter nordwestlich der Tafel nach halbrechts ab.

Es ist ein wenig ärgerlich, dass es die Naturschutzverwaltung nicht schafft, den Besuchern des Gebiets korrekte Karten anzubieten. Einerseits wird immer wieder der Zeigefinger erhoben und die Disziplinlosigkeit der Besucher beklagt, die im Gebiet abseits der Wege herumgehen und die Flora schädigen. Andererseits werden die Besucher durch unrichtige Informationen vor Ort im Regen stehen gelassen und quasi gezwungen, quer durch die Wiesen vom unrichtigen Weg wieder auf einen anderen Weg zu kommen. Wünschenswert wäre also, dass die Naturschutzverwaltung die Information vor Ort verbessert, zum Beispiel durch das Aufstellen von Schildern, die klar und eindeutig einen Rundweg durch das Gebiet kennzeichnen. Erst wenn  dies erfolgt ist, kann die Naturschutzverwaltung den Zeigefinger wieder hervorholen.

Hier gibt es eine Übersicht über die Naturschutzgebiete im Landkreis Reutlingen. Von dort werden alle Artikel in diesem Blog, die sich mit einzelnen Naturschutzgebieten im Landkreis Reutlingen beschäftigen, verlinkt. 

Das Echaztal mit Schloss Lichtenstein gehört zu den Top-Regionen der Schwäbischen Alb. Hier gibt es eine Übersicht über das Echaztal mit Schloss Lichtenstein. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dieser Region befassen, verlinkt.       

Anfang August ist ein Teil der Wiesen auf dem Pfullinger Berg bereits gemäht, einige Wiesen wie diese auf dem Bild besitzen noch hohes Gras. Der Blick geht auf diesem Bild nach Südosten, im Hintergrund ist die zweite Stufe der Alb hinauf zur Albhochfläche zu sehen. 
 
Auf verschiedenen Informationstafeln wird die Besonderheit des Gebiets erläutert.

Diese Wiesen sind eine Freude für Insekten!

Der Wechsel von Magerwiesen, Baumgruppen und gegliederten Waldrändern verleiht der Landschaft ein parkartiges Aussehen.

Am Rand des Gebiets befindet sich bei einer Unterstandshütte ein Aussichtspunkt mit Blick auf Pfullingen mit dem Kegel der Achalm (links).

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